Jedes Jahr wird im Dezember an der PTH der Dies Academicus begangen. Einen ganzen Tag widmen sich verschiedene Wissenschaftler der PTH, aber auch eingeladene Experten von außerhalb, der Theologie der Spiritualität unter verschiedenen Vorzeichen. Seit 2015 findet im Anschluss an den Dies Academicus auch der Actus Academicus statt, bei dem die PTH im formellem Rahmen ihre Absolventen ehrt, neue Professoren einführt und Ehrungen vornimmt.
Rückblick: Dies academicus 2025 – 05. Dezember 2025
Thema: Abschied – Vom geistlichen Sinn eines menschlichen Grundphänomens
Menschen nehmen Abschied. Unser Leben ist bestimmt von Auseinandergehen und Aufbruch, Trennung und Zurückbleiben. Damit verbunden ist die Erfahrung von Ende und Grenze. Das Abschiednehmen kann von unterschiedlicher Intensität sein – flüchtig oder schwer –, es kann mit unterschiedlichen Haltungen verbunden sein – mit Trauer oder Angst, Freude oder Hoffnung – und es kann sich auf ganz Verschiedenes richten: Sicherheiten und Denkgewohnheiten, Heimat, Freunde und geliebte Menschen. Auch der Lebensweg des Menschen ist begrenzt.
Man sagt zum Abschied „Adieu“ oder „Ade“. Das bedeutet: „Auf Gott hin“. Wie lassen sich Abschiede geistlich verstehen und gestalten? Welche Anstöße geben Heilige Schrift, Philosophie und die spirituelle Tradition? Auf welches zeitgeschichtliche Bewußtsein treffen diese Impulse? Und welche Rituale und Gewohnheiten können dabei helfen, Abschied zu nehmen – zumal wenn es im Tod um eine Trennung geht, die endgültig ist?
Unser Studientag lädt dazu ein, die verschiedenen Dimensionen des Phänomens Abschied geistlich zu erkunden.
Programm
9.00 Uhr: „Gott, der mein Hirt war mein Lebtag bis heute“ (Gen 48,15)
Große Abschiedsreden in der Bibel
Der Vortrag stellt in einem Überblick sämtliche Abschiedsreden in der Bibel mit ihrem je besonderen theologischen und spirituellen Profil vor. Welches Verständnis vom Leben, vom Sterben, vom Tod, vom Menschen als Glied in einer Kette der Generationen und von Gott, der die Toten lebendig macht, zeigt sich in den unterschiedlichen Epochen der Geschichte Israels und des frühen Christentums?

Prof. em. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger
Lehrstuhl für Exegese des Alten Testaments, Universität Wien
11.00 Uhr: „Los, komm, wir sterben endlich aus.“
‚Selbstauslöschung und Hingabe in der sozialen Mehrfachkrise
„Los, komm, wir sterben endlich aus“,singt die Berliner Band „Die Ärzte“ in ihrem Lied „Abschied“ im Hitzesommer 2019 mit ironischem Unterton. In meinem Vortrag gehe ich den Zerstörungspotenzialen westlicher Lebensformen und Möglichkeiten grundlegender Erneuerung nach. Dafür verbinde ich Überlegungen einer kritischen Theorie der Gesellschaft und einer mystischen Lebenskunst.

PD Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr
Institut für Philosophie, Universität Potsdam
12.15 Uhr: Mittagessen
14.30 Uhr: Kaffeepause
15.00 Uhr: Sein Leben bündeln
Zum Genus „Geistliches Testament“
Glaubende Menschen hinterlassen einen ‚geistig-geistlichen Fußabdruck‘. Sie schreiben immerzu ein Testament – ein Vermächtnis –, und dies konkret, mit ihrem Leben. So ist jedes gläubige Leben ein Text, der gelesen wird, bereits jetzt, aber auch danach. Das geistliche Testament, wie es die Überlieferung des Christentums kennt, ist Anstoß, den Kern der eigenen Berufung ins Wort zu bringen.

Dr. Christoph Benke,
Geistlicher Leiter des Zentrums für Theologiestudierende der Erzdiözese Wien,
Schriftleiter der Zeitschrift GEIST & LEBEN
16.30 Uhr: Verlust und Abschied
Trauer in ihrer Vielfalt begegnen
Schwerstkranke Menschen, die den Tod vor Augen haben, müssen ihre Liebsten und ihr ganzes Leben zurücklassen; für sie wie für ihre Zugehörigen geht es darum, Abschied zu nehmen von gemeinsamen Lebensplänen und dem Miteinander des irdischen Lebens. In dieser Situation können Rituale sehr hilfreich sein, weil sie bei den Sterbenden das Gefühl stärken, nicht allein zu sein, sondern von der Gemeinschaft begleitet und getragen zu werden.

Magdalena Starke,
Systemische Supervisorin (SG), Trauerbegleiterin, Recklinghausen
19.00 Uhr: Actus academicus – „Werdet Vorübergehende!“
Das Zeitliche segnen lernen
Kaum gekommen, gilt‘s zu gehen – ist‘s Verlust oder Gewinn, Anlass zu Resignation oder Aufschwung ins Offene noch? Im Fächer religiöser Traditionen und spiritueller Stile besteht die christliche Botschaft auf einer größeren Hoffnung; sie steht aber faktisch im Verdacht, das Endliche zu denunzieren. Programmworte wie Abgeschiedenheit, Loslassen, Leerwerden, Hingeben klingen oft weltflüchtig und todesfixiert oder ähneln Rilkes heroischem Imperativ „Sei allem Abschied voran“. Welche österliche Welt-Hoffnung also meint der Programmsatz: „Es ist gut für euch, dass ich gehe?“

Dr. Gotthard Fuchs,
Fachmann für Theologie der Spiritualität und Mystik,
Erwachsenenbildner und Publizist, Wiesbaden
Rückblick: Dies academicus 2024 – „Streit – Die geistliche Kunst der Auseinandersetzung“
Datum: 09.12.2024
Der Mensch ist streitbar und er streitet mit sich, mit dem Nächsten, dem Schicksal und dem Anderen. Nicht nur zum Guten. Was ist Streit? Wozu streiten? Wofür lohnt es sich zu streiten? Was wird aus dem Menschen, wenn er mit Gott und/oder für Gott streitet? Ergebener? Fanatiker? Und beherzt gefragt: Ist Gott der Gegner oder der Partner, wenn Menschen mit ihm ringen? Nicht nur der Psalmbeter (Ps 77) ist verwirrt und bekommt das ihm aus der Tradition vertraute Wissen um Gott mit seinen gegenwärtigen Erfahrungen nicht mehr zusammen: «Das ist mein Schmerz, dass die Rechte des Höchsten so anders wurde». – Streit, ein zutiefst menschlich-geistig-spirituelles Thema.
Die Audio-Podcasts zu den Beiträgen finden sie hier.
Publikationen
Zu jedem Dies Academicus erscheint im jährlichen Turnus ein Sammelband, in dem die Referenten ihre Vorträge zum Thema veröffentlichen. Der Band wird ergänzt durch Beiträge der Lehrenden der PTH, die sich aus ihrer jeweiligen Fachperspektive mit der Thematik beschäftigen. Somit schärft die Publikation auch das Profil der PTH mit ihrem Schwerpunkt der Theologie der Spiritualität

IN KÜRZE ERHÄLTLICH:
Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Streit
Herausforderung und spiritueller Weg
Aschendorff-Verlag, Münster 2025
Der Mensch ist streitbar und er streitet mit sich, mit dem Nächsten,
dem Schicksal und selbst mit Gott. Nicht nur zum Guten. Was ist Streit?
Wozu streiten? Wofür lohnt es sich zu streiten?
Hiob klagt: „Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?“
(Hiob 7). Ist das menschliche Leben nicht insgesamt eine Form von an-
strengendem, beschwerlichem Dasein, eben Lebenskampf – die ganze
Menschheitsgeschichte bis heute?
Was wird nun aus dem Menschen, wenn er gegen Gott, mit Gott und /
oder für Gott streitet? Ergebener? Fanatiker? Oder ist es ganz anders:
Erringt er so die Würde seiner Freiheit?
„Gottesstreiter“ – Israel – wird Jakob am Ende einer durchkämpften
Nacht genannt: „denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und
hast gewonnen.“ (Gen 32,29) Jakob erringt den Segen, indem er nicht
von Gott ablässt und geht doch hinkend davon. Ist Gott der Gegner oder
der Partner, wenn Menschen mit ihm ringen? Nicht nur der Psalmbeter
(Ps 77) ist verwirrt: „Das ist mein Schmerz, dass die Rechte des Höchsten
so anders handelt.“ – Streit, ein zutiefst menschlich-geistig-spirituelles
Thema, das im Garten Gethsemani ins Göttliche hineinreicht.
Die christliche Spiritualitätstradition spricht vom „geistlichen Kampf“
und meint in ihrer Höchstform: Ziel geistlichen Ringens ist die innere
Freiheit – paradox: durch die eigene Entwaffnung, ein Freiwerden für
Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Kontemplation.
Eröffnung des Unverfügbaren
Aschendorff-Verlag, Münster 2024
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts richtet sich der Blick nicht weniger für den unruhigen „Westen“ bei der Suche nach innerem Halt gegen „Osten“. Vielfältig sind die gegenwärtigen, auch christlichen, Suchbewegungen, um wieder eine kontemplative Haltung zurückzuerlangen, um aus einem Lebensstil der Überforderung und Ausbeutung der eigenen Person und dieser Welt herauszufinden.
Innerer Frieden, Präsenz, reine Gegenwärtigkeit, leben im Jetzt, letzte Identität, Einssein mit dem göttlichen Grund, so und noch anders lauten in verschiedenen Traditionen die Leitworte der Kontemplation. Vom zufälligen aufgehen des Unverfügbaren bis zum bewusst gewählten Übungsweg, um sich zu öffnen für Erfahrung der göttlichen Wirklichkeit, reichen die Möglichkeiten.
Der Sammelband widmet sich den Grundlagen, beleuchtet Praxisformen, scheut nicht die Zeitanalyse und will Brücken bauen zwischen
verschiedenen Traditionen in der westlichen und östlichen Hemisphäre

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Transformationen.
Von der Dynamik christlicher Spiritualität.
Aschendorff-Verlag, Münster 2023
Transformation. Ein gegenwärtig großes Beschwörungswort mit magischer Aufladung. Unvorhersehbare Entwicklungen und radikale, existenzielle Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Ökologie, in der religiösen Verankerung, der Märkte und der Technologie sind keine Ausnahmeerscheinungen mehr, sondern das „neue Normale”. Vom „radikalen Wandel” ist die Rede, vom „sich neu Erfinden”. Wohin dabei die Reise gehen soll, ist längst nicht klar. Transformation lässt sich nicht einfach zu einem Projekt machen. Es ist ein Geschehen zwischen vielen, auch dem Unverfügbaren.
Wie alt und neu hören sich da die Worte an: Schöpfungsmorgen, Apokalypse, neue Schöpfung, eine neue Erde und ein neuer Himmel, das Alte ist nicht mehr, umkehren, umdenken, neugeboren werden, Auferstehung!
Ist das Leben nicht ein ständiges sich Wandeln? Heißt Reifen nicht, sich oft gewandelt haben? Hinter den Tagesaktualitäten liegen noch ganz andere existentielle Dynamiken verborgen. Vielleicht verstören sie uns sogar, weil Kosmetik nicht reicht. Sie rühren an das Erleben von Endlichkeit, Versagen, Ohnmacht, Befreiung, schöpferischen Durchbruch, Einbruch Gottes. Der christliche Glaube ist eine Wandlungsreligion. Er ist Leben in und am Übergang. Die hier vorgelegten Einblicke in die spirituelle Grunddynamik christlicher Transformation können vertiefen und weiten für heute und weit darüberhinaus.

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Weisheit.
Spiritualität für den Menschen
Aschendorff-Verlag, Münster 2021
Weisheit – ein großes Wort in der Geschichte der Kulturen und Völker. Ein anziehendes Wort auch in unseren Tagen. Mit der Weisheit scheint die Fähigkeit verbunden zu sein, sich nicht in Teilbereichen und Expertokratien zu verlieren, sondern sich auf das Leben als Ganzes zu beziehen und gut zu handeln.
Weisheit mag selten, der Weise noch seltener sein. Wenn Weisheit jedoch aufscheint, dann wird mit ihr geistige Stärke und Gelassenheit, Einklang und Stimmigkeit in der Lebensführung verbunden, ja ein Handeln, das andere stärkt und sie aufrichtet. Nicht die Intelligenz oder sein umfangreiches Wissen, noch seine Verstandesschärfe machen einen Menschen weise, so die Traditionen vieler Völker. Sie ist jedem zugänglich unabhängig von Herkunft, Beruf und Bildungsgrad.
Was ist sie? Sie scheint nicht so sehr Richtigkeitswissen, sondern Richtungswissen und Wichtigkeitswissen zu sein. Erhebt sie sich über die Leidenschaften, über die gesellschaftlichen Dringlichkeiten und über die Vielfalt der Auffassungen, so die klassische Sicht des stoischen Weisen?
Spätestens seit der Neuzeit soll die Wissenschaft das letzte Wort haben, nicht die Weisheit. Dies selbst in der Philosophie, die sich als „Liebe zur Weisheit“ ihren Weg bahnte. G. W. F. Hegel hat dafür die berühmte Parole ausgegeben, dass die Philosophie „ihren Namen der Liebe zum Wissen ablegen“ und „wirkliches Wissen“ – „Wissenschaft“ – werden solle. Am Beginn des 20. Jahrhunderts hat E. Husserl sekundiert: „Die Wissenschaft hat gesprochen, die Weisheit hat von nun ab zu lernen.“ Können wir diesem Satz noch folgen oder brauchen wir eine lebensnotwendige Kehre am Beginn des 21. Jahrhunderts?

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Frieden.
Spiritualität in verunsicherten Zeiten
Aschendorff-Verlag, Münster 2020
Verunsicherung kann heilsam sein; sie kann aber auch zu Zerrissenheit, Angst und Unfrieden führen. Nicht selten dient sie als Entschuldigung für das Ausbleiben von entschiedenem Einsatz oder provoziert panische Reaktionen, wie Ab- und Ausgrenzungen. Sie hat im Menschen viele Facetten: physisch, emotional und intellektuell und verursacht gesellschaftliche Verwerfungen.
Unter dem Titel „Frieden – Spiritualität in verunsicherten Zeiten“ nehmen die Autoren aus der Perspektive ihrer wissenschaftlichen Disziplin die Gegenwart in den Blick. Theologie der Spiritualität, Gesellschafts- und Humanwissenschaften suchen das Gespräch.
Was und wie kann christliche Spiritualität tragfähige Hinweise für eine Lebensführung geben, die sich der prägenden Herausforderung der Gegenwart stellt: „Verunsicherung“.

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Präsenz.
Zum Verhältnis von Kunst und Spiritualität
Aschendorff-Verlag, Münster 2019
Geht es der Spiritualität am Ende um Ähnliches wie der Kunst: nicht um Kunst-Stücke, sondern um Präsent-Werden werden von Raumen, Gegenständen und Lebenserfahrungen? Die Wirkung ist nicht statisch, sondern ein Gegenwärtig-Werden von Fragen, Ahnungen, Zusagen, Brüchen und Irritationen, ein neues Verständnis der Gegebenheiten, der einen „anderen Zustand“ mit sich bringt. An diesem Punkt der Transformation gibt es eine tiefe Verwandtschaft zwischen geschenkt-gelungenem, spirituellem Vollzug und der geschenkt-gelungenen Begegnung mit einem Kunstwerk. Wozu hin?
Zur Berührung – durch die äußeren und inneren Sinne?
Zur Öffnung – für die existentielle Wahrheit?
Zum Überschritt – aus der Funktion?
DA-hin. Spiritualität und Kunst, zwei Schulen der Präsenz.
Welche Kunst und welche geistliche Lebenskunst führt in das Wunder der Wahrnehmung, oder anders formuliert, was führt in die Tatsache der Gegenwart, der Präsenz der Dinge, die uns aus- und leer räumt, wie einen Trinkbecher, den man in einen Wasserfall hält, und doch ganz erfüllt? DA.
Die Beiträge dieses Bandes verfolgen Spuren von der Kunst zur Spiritualität und von der Spiritualität zur Kunst.

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Zeugnis.
Zum spirituellen Ursprung und zur Präsenz des Christlichen
Aschendorff-Verlag, Münster 2018
Was und woraufhin glauben wir? Gott erscheint mir zuerst als ein Wesen, an das andere Menschen mehr oder weniger glauben. Gott ist gegeben im Zeugnis der anderen, gewissermaßen innerhalb der Anführungszeichen ihrer Rede von Gott und ihres Verhaltens zu Gott. Die Gestalt ihres Glaubens ist mitentscheidend dafür, wie mir „Gott“ begegnet. Fällt das Zeugnis gänzlich aus, wird es schwierig. „Zeugen“ können mir Gott aber auch verstellen. Das Zeugnis bedarf der Deutung und des klärenden Begriffs, auch des Glaubwürdigkeitsnachweises, sonst verliert es sich in Beliebigkeit, Fanatismus oder Tyrannei. Wie weit muss, wie weit kann die (theologische) „Aufklärung“ des Zeugnisses und der Verkündigung gehen? Wo muss das verkündete Zeugnis stören und verstören in den Geläufigkeiten des Denkens? Wann ist es nicht nur Gegenstand, sondern Widerstand, der zu einem neuen Denken anregt? Wie heute Gott und den Glauben an das Evangelium glaubwürdig bezeugen? Noch weitgehender gefragt: Wie bezeugt sich der Herr „Heute“ selbst? Ist seine Gegenwart spiritueller Ursprung des Christlichen?

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Spiritualität.
Auf der Suche nach ihrem Ort in der Theologie
Aschendorff-Verlag, Münster 2017
Ein Zauberwort besonderer Art ist das Wort „Spiritualität“. Damit ist mehr als nur ein Randphänomen berührt. Das Heute könnte möglicherweise als „spirituelles Zeitalter“ in die Geschichte eingehen. Ende der 1970er Jahre noch ein avantgardistischer Szenebegriff alternativer Kreise, ist „Spiritualität“ heute ein soziokultureller Leitbegriff. In ihm bündeln sich Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in Bezug auf das Verständnis von Sinn, Werten und Religion. Traditionsgebundene Gotteserfahrungen können mit diesem Wort benannt werden und weniger traditionelle Erfahrungsweisen Gottes bis zu rein säkularen Praxisformen im Raum zeitgenössischer Experimentier- und Suchbewegungen, die „Sinn“ authentisch erfahrbar machen wollen. Spirituelle Sehnsucht kann, muss heute aber nicht heißen: religiöse Sehnsucht. Bei aller Ambivalenz der Phänomene: „Spiritualität“ ist eine Schlüsselkategorie für die Bedeutung von Religion und Sinn in der Spätmoderne.
In diesem Zusammenhang tauchen häufig andere Signalwörter auf: „Glück“, „Weisheit“, „authentisches Leben“ und „Ganzheitlichkeit“. Menschen sind auf der „Reise nach sich selbst“, suchen in einer mobilen, flexiblen, auf Effizienz getrimmten Gesellschaft nach „Verzauberung“ in Abenteuer und Erlebnis, sie verlangen nach „Heilung“, „Festigkeit“ und „Orientierungswissen“, nach „wirklicher Gemeinschaft“ und „Verbundenheit“. Ist das als „esoterisch“ zu belächeln? Ist es nur religionssoziologisch zu vermessen, zu analysieren und zu etikettieren? Verweigert die Theologie den substantiellen Dialog? Kennt sie den Reichtum der christlichen spirituellen Tradition, um ihn ins Spiel zu bringen? Hilft sie unterscheiden und stärken? Ist sie von ihrem ganzen Denkgestus noch genügend „spiritualitätssensibel“ bei ihrer Sache? Ein nicht geringer Grund für den oft beklagten Relevanzverlust der Theo-logie liegt hier.
Die CTS Hochschule Münster in Trägerschaft der Deutschen Kapuzinerprovinz hat die „Theologie der Spiritualität“ zum theologischen Arbeitsschwerpunkt gemacht. Das ist nicht nur eine Fachbereichsbezeichnung, sondern die Herausforderung an alle Dozierenden, sich aus der Perspektive ihrer Disziplin dem Thema „Spiritualität“ zu stellen und grundsätzlich nach ihrem Ort in der Theologie zu suchen.
Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor, bereichert durch Beiträge, mit denen inspirierende Gäste beim Dies academicus der PTH am 8. Dezember 2015 die theologische Auseinandersetzung mit Spiritualität beflügelt haben.

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hgg.)
Armut
Zur Geschichte und Aktualität eines christlichen Ideals
Aschendorff Verlag Münster 2015, kartoniert., € 24,80, ISBN 978-3-402-13137-4
Im Jahr 2015 feierten die Kapuziner das Privileg, das ihnen vor 400 Jahren in Münster gewährt wurde:
Es wurde ihnen erlaubt, in der Stadt zu ‚betteln und zu predigen‘. Dies überhaupt zu wollen und die
Erlaubnis dazu ein ‚Privileg‘ zu nennen, erscheint auch heute nicht selbstverständlich. Daher wurde am 8. Dezember 2014 ein Symposium der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster im Vorlauf zum traditionellen Actus Academicus abgehalten, mit dem Titel „Betteln und Predigen. Wie arm soll die Kirche sein?“ Der Band dokumentiert die Vorträge des Symposiums sowie weitere Beiträge von Lehrenden der PTH.
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